Künstlerische Leitung, Choreographie und Tanz: Katja Erfurth
Tanz: Amit Abend, Helena Fernandino, Seraphine Detscher
Installation und Animation: Sabine Köhler
Violine: Florian Mayer
Komposition: Paul Ben-Haim, Helmut Oehring
Kostüme: Magdalene Buschbeck
Licht: Josia Werth
Künstlerische Beratung: Irene Sieben, Helmut Oehring
Noa Eshkol (1924–2007), israelische Tänzerin, Choreographin und Künstlerin ukrainisch-jüdischer Herkunft, entwickelte eine analytisch-geometrische Bewegungsschrift, die Tanz wie eine Partitur notierte. Katja Erfurth ist es Anliegen, sich in Partitur des Körpers mit Eshkols künstlerischem Weg auseinanderzusetzen, ihre Prinzipien zu erforschen und sie mit der eigenen tanzkünstlerischen Praxis zu verbinden.
Als Schülerin von Gret Palucca befasst sich Erfurth seit vielen Jahren mit Tanzhistorie, insbesondere mit Mary Wigman und ihrer Schule in Dresden, aus der Palucca hervorging. Deren Schülerin Tile Rössler (Tehila Ressler) wiederum lehrte nach 1933 in Tel Aviv und stellt das Bindeglied zu Noa Eshkol dar. Eshkol entwickelte die Ursprünge des Ausdruckstanzes mit dem unbedingten Interesse weiter, Tanz durch ein hochkomplexes Notationssystem zu verschriftlichen und umgekehrt diesem in Analyse und Reflektion zu folgen.
Die Produktion Partitur des Körpers folgt in drei Teilen den Spuren Eshkols:
Linien – Ein Tanz-Solo zu Musik des jüdischen Komponisten Paul Ben-Haim (1897-1984), zeichnet Eshkols Suche nach Balance von Ordnung und Emotion sowie ihre Prägung von jüdischer Identität, Migration und dem Bedürfnis nach kultureller Selbstbehauptung.
Kreise – Ein Tanz-Trio, inspiriert durch die Eshkol-Wachmann Movement Notation, folgt der Radikalität von Eshkols Tanzsprache und entwickelt durch synchrone, geometrisch-strukturierte Bewegungen eine aufgeladene Sogwirkung. Helmut Oehring entwirft für das Ensemble-Tanzstück originär eine Komposition für vorproduziertes Zuspiel und Solo-Violine.
Räume – Ein Tanz-Solo, welches Eshkols Hinwendung zur Fertigung von Wandteppichen zum Anlass nimmt, installative Bilder und Objekte zu entwerfen, die eine eigene dreidimensionale kompositorische Sprache sprechen.
Noa Eshkol
1924 im Kibbuz Degania B geboren, lebte als Kind in New York und später in Palästina, wo ihr Haus in Holon zu einem Zentrum für Tanz, Architektur und Wissenschaft wurde. Nach Studien bei Tehila Ressler und Rudolf von Laban entwickelte sie, unzufrieden mit bestehenden Systemen, gemeinsam mit Avraham Wachmann die Eshkol-Wachmann Movement Notation (EWMN). Dieses hochpräzise System zerlegt Bewegungen in räumliche Koordinaten und ermöglicht eine Notation des Tanzes, vergleichbar mit der Notenschrift für Musik. Parallel gründete Eshkol ihre „Chamber Dance Group“.
Eine Zäsur brachte der Jom-Kippur-Krieg 1973 mit sich. Als ihre Tänzer in den Krieg ziehen mussten, sprach Eshkol selbst von „No Time to Dance“. Sie wandte sich der Herstellung von Wandteppichen aus Stoffresten zu und komponierte auf diese Weise Strukturen mit Formen und Farben, die dem Denken ihrer Choreographien entsprachen. Bis zu ihrem Tod 2007 widmete sie sich diesem Werk.
Uraufführung am 30. Oktober 2026 in HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste
Eine Koproduktion mit HELLLERAU -Europäisches Zentrum der Künste.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
im Rahmen des Programms "TACHELES 2026 - Jüdisches Leben in Kunst und Kultur"
und die Landeshauptstadt Dresden - Amt für Kultur und Denkmalschutz.
Noa Eshkol.
Tänzerin,
Choreographin,
Künstlerin.