Künstlerische Leitung, Choreographie und Tanz: Katja Erfurth
Komposition ZERBRECHLICH I-VI: Helmut Oehring
Ausstattung: Katja Erfurth
Künstlerische Beratung: Helmut Oehring
Licht: Bernd Krakowsky
Maxie Wander befragte in den 1970er Jahren Frauen zu ihren Lebensentwürfen, zu Familie, Beruf und Politik, zu ihren persönlichen Empfindungen, Ängsten und Träumen.
Kurz vor ihrem Tod 1977 erschien „Guten Morgen, du Schöne“ und wurde eines der meistgelesenen Bücher in der DDR. „Beim Lesen schon beginnt die Selbstbefragung.“, schreibt Christa Wolf in einem Vorwort vor fast einem halben Jahrhundert.
Die unerschrockene und schonungslose Offenheit der Frauen in den Gesprächen wirkt bis heute.
Katja Erfurth entwirft, inspiriert durch die Tonbandprotokollen von Maxie Wander, scheinbar unscheinbare Frauenporträts, die von der unbändigen Sehnsucht nach Leben erzählen. Frauenbilder zwischen Selbstbestimmtheit und Zweifel, zwischen Sprachlosigkeit und Aufschrei, zwischen Anspruch und Ohnmacht.
Sieben fiktive Frauenporträts, die in den 1970er Jahren der DDR verortet sein könnten und deren Themen bis in die Gegenwart reichen :
Jutta, 49 Jahre, Dozentin an der Technischen Universität, 3 Kinder, geschieden
Elke, 16 Jahre, Schülerin, 3 Geschwister
Gisela, 34 Jahre, Facharbeiterin für Getreidewirtschaft, 2 Kinder, verheiratet
Simone, 19 Jahre, ohne Schulabschluss, 1 Bruder
Annegret, 38 Jahre, Diplom-Physikerin, keine Kinder, ledig
Marie, 87 Jahre, Rentnerin, keine Kinder, verwitwet
Kerstin, 21 Jahre, Studentin zur Diplom-Lehrerin Deutsche Sprache und Musik, 1 Schwester, ledig
"... Katja Erfurths Tanztheatersolo ist pure körperliche Geste, stummes Spiel... Manchmal ist es fast unheimlich, wie sich Erfurth mit einigen bewusst schlicht gesetzten Schritten körperlich verwandelt, in wenigen Minuten ein Psychogramm entwirft. Verspielt ist sie als sechzehnjährige Schülerin Elke und sehr jung. Aber dann kann sie einen müden Körper zeigen oder einen, der von physisch harter Arbeit Kraft bekommen hat, einen, der uns in der Alterseinsamkeit empfängt, einen, der eine geradezu erotische Energie in das Reiben, Salzen, Kneten von rohem Kohl steckt.....
.... Wenn man mit der Tänzerin und Choreographin über ihren eigenen Lebenslauf und künstlerischen Weg spricht, wird klar, woher ihre Ausdruckskraft und Eigenständigkeit kommen, wovon ihr Denken im Tanz beeinflusst ist.....
Immer auch sind ihre Mittel und ist das Theater als Ort der Verwandlung ihr Thema. Ihre inhaltliche Ebene, ihre musikalische Kongenialität werden verbunden mit dem Zeigen dessen, was Theater sein kann: die ganze Gegenwart in einem zusammenfassend empfundenen Moment, die stärkste, schönste Anwesenheit des Fremden, von Fremden, Klang, Geste, Entführung in eine Welt in der Welt, in der wir erfahren, wie sehr wir uns in unserem Gegenüber erkennen wollen....."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wiebke Hüster, 20.10.2025 --> Zum vollständigen Artikel)
Dauer: 70 min.
Uraufführung am 27. März 2025 im Rahmen des Festivals frau.macht.theater. im SOCIETAETSTHEATER Dresden
Frauenporträts
zwischen Selbstbestimmtheit und Zweifel,
zwischen Sprachlosigkeit und Aufschrei,
zwischen Anspruch und Ohnmacht.